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AHGZ vom 15. Mai 2010 – Ausgabe 2010/20
Bettwanzen raus aus dem Hotel
Immer häufiger werden in Hotels besonders lästige Schädlinge registriert:
Bettwanzen / Schulungen für Mitarbeiter

Für die Hotellerie weltweit ist der Befall mit „Cimex lectularius“, so die lateinische Bezeichnung für die gemeine Bettwanze, ein gern verschwiegenes, aber präsentes Problem – und zwar quer durch alle Kategorien. Schuld sind der Fernreiseverkehr und veränderte Methoden der Schädlingsbekämpfung.

Die Parasiten werden als blinde Passagiere häufig im Reisegepäck eingeschleppt. Und seit dem Verbot des giftigen, aber wirksamen Insektenbekämpfungsmittels DDT vermehren sie sich wieder unaufhörlich, warnen professionelle Schädlingsbekämpfer. Sie registrieren Jahr für Jahr zunehmend Anfragen wegen Bettwanzenbefalls.

„Oft wird erst dann gehandelt, wenn sich ein gestochener Hotelgast beschwert“, sagt Jens Heuter, Marketingmanager Deutschland der Schädlingsbekämpfungsfirma Rentokil. Welche Konsequenzen eine solche Beschwerde haben kann, zeigt ein Urteil des Amtsgerichts Frankfurt/Main aus dem Jahr 2007: Ein Gast war in einem 5-Sterne-Hotel von einer Wanze gebissen worden. Er litt danach länger an starkem Juckreiz, Ekzemen und Schwellungen. Das Gericht sprach dem Kläger die vollständige Rückforderung des Reisepreises zu. Damit nicht genug: Der Geschädigte erhielt Schmerzensgeld in Höhe von 1500 Euro. Rainer Gsell vom Verband Deutscher Schädlingsbekämpfer räumt mit einer weit verbreiteten Meinung auf: „Dass das Wanzenproblem mit mangelnder Hygiene zu tun hat, ist ein Ammenmärchen“, stellt er klar. „Wenn die Insekten von Reisenden eingeschleppt werden, trifft das Hotel erst einmal keine Schuld.“

Damit die ungebetenen Gäste erst gar kein Problem werden, beugen Hoteliers vor. So wie beispielsweise Marco Nussbaum, Geschäftsführer des Prizeotel Bremen-City. „Bevor wir unser Hotel eröffneten, haben wir uns mit einem bekannten Schädlingsbekämpfer zusammengesetzt und gleich die bestmöglichen Sicherheitsstandards gegen Schädlingsbefall jeder Art eingeführt.“ Die Kosten für diese Maßnahme bewegten sich jedes Jahr im vierstelligen Bereich. „Aber das ist es uns wert.“
So schnell die Plagegeister auch eingeschleppt werden, die Beseitigung des Problems kann manchmal mehrere Wochen dauern. Damit einher gehen Verluste wegen fehlender Zimmerverfügbarkeiten durch Sperrzeiten während der Schädlingsbekämpfung. Denn ist der Befall schon sehr weit fortgeschritten, müssen sogar ganze Hoteletagen stillgelegt und Hotelzimmer sprichwörtlich auseinandergenommen werden, um die Tiere zu eliminieren. Diese verstecken sich vorzugsweise in Fugen oder Hohlräumen, hinter Kopfteilen, zwischen Leisten und unter der Matratze, ja sogar in Steckdosen sind sie zu finden. Bekämpft werden sie mit Trockeneis, Heißluft oder Insektiziden. „Einem Befall gezielt vorzubeugen, ist auch bei regelmäßigen Kontrollmaßnahmen so gut wie unmöglich“, sagt Schädlingsbekämpfer Rainer Gsell und zeigt die Grenzen der Prävention auf. „Denn Bettwanzen können jederzeit eingeschleppt werden.“

Ein großer Hemmschuh bei der Vorbeugung ist mangelnde Sachkenntnis beim Personal. Mandy Jödicke, Stellvertretende Vorsitzende der Sektion Bayern beim Verband der Serviermeister (VSR), weiß das aus eigener Erfahrung. Bei einer Schulung, die sie mithilfe eines professionellen Schädlingsbekämpfers für ihre Hausdamengruppe organisiert hatte, erfuhren die Teilnehmerinnen, wie eine Bettwanze überhaupt aussieht. Sie lernten die typischen Befallsmerkmale kennen: Kleine Blutflecken auf dem Bettlaken oder Kotspuren gelten als Indizien, dass die Bettwanze sich eingenistet hat.

„Die Schulung hat uns sehr für das Problem sensibilisiert“, räumt Mandy Jödicke ein. Sie ist überzeugt: „Um größeren wirtschaftlichen Schaden zu vermeiden, kommt man um regelmäßige Befallskontrollen und Mitarbeiterschulungen einfach nicht herum.“
Dies gelte ganz gleich, ob es sich um einen Befall mit Bettwanzen, Küchenschaben oder Lebensmittelmotten handelt. Nathalie Kopsa




 

 
  Berufsverband der Restaurant- und Hotelfachkräfte / Mitglied der Union Internationale des Maitres d’Hotel